Eine Allianz für die Begatalbahn

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Auf Einladung des SPD-Landtagsabgeordneten Jürgen Berghahn kommen Vertreter verschiedener Institutionen zu einem Vernetzungstreffen zusammen. Eine wichtige Entscheidung für das nordlippische Mobilitätsprojekt steht im Herbst an.

Nordlippe. Ein schon lange auf dem Gleis stehendes Projekt scheint nun endlich in Fahrt zu kommen: die Reaktivierung der Begatalbahn. Genau darum - um die Wiederbelebung des Zugverkehrs zwischen Lemgo und Barntrup - ging es bei einem Vernetzungstreffen, zu dem der SPD-Landtagsabgeordnete Jürgen Berghahn Vertreter von Verkehrsverbänden, des Kreises, aus den betreffenden Kommunen, von Institutionen, aus der Politik und von Vereinen eingeladen hatte. Dabei wurde eins deutlich: für die Reaktivierung der Begatalbahn gibt es eine mehr als breite Allianz – und inzwischen offenbar noch bessere Chancen.

Ein klares Bekenntnis

Denn so klar wie bei diesem Treffen war das Bekenntnis für eine Begatalbahn in den vergangenen Jahren selten ausgefallen. Züge, die die Menschen zwischen Barntrup und Lemgo im Stunden- oder sogar Halb-Stunden-Takt befördern – das hätte für die Menschen in Nordlippe viele Vorteile. „Früher konnten es die jungen Erwachsenen kaum erwarten, dass sie den Führerschein machen konnten. Das ist heute anders. Mobilität wird von den Menschen – ob Jung oder Alt -  inzwischen ganz anders gedacht und bewertet“, sagte der Landtagsabgeordnete Jürgen Berghahn. Und dabei spiele der Öffentliche Personenverkehr und insbesondere die Bahn eine zentrale Rolle. „Ob für Berufstätige, für Schüler oder für Jugendliche, die einfach mobil sein wollen, wäre die Reaktivierung der Begatalbahn ein großer Gewinn“, ist sich Berghahn sicher. Und auch die Wirtschaft könne davon profitieren. Zum einen ist eine gute Erreichbarkeit der Unternehmen beispielsweise mit der Bahn ein immer wichtiger werdender Standortfaktor. Zum anderen können auf einer reaktivierten Strecke nicht nur Menschen, sondern auch Güter transportiert werden.

Die VBE sind positiv gestimmt

Eine besondere Rolle bei der Reaktivierung der Begatalbahn nehmen die Verkehrsbetriebe Extertal (VBE) ein, an der untere anderem der Kreis Lippe beteiligt ist. Ihr gehört die Strecke und wäre bei einer Neuauflage der Strecke maßgeblich beteiligt. „Das Verkehrsverhalten hat sich deutlich verändert. Das Bekenntnis der Region zur Begatalbahn ist spürbar. Wir würden uns freuen, wenn wir gemeinsam diese Aufgabe angehen könnten“, sagte Sven Oehlmann, Geschäftsführer der VBE. Eine klare Aussage, die alle Anwesenden positiv aufnahmen – so wie Jochen Brunsiek von der Landeseisenbahn Lippe. Seit Jahren kümmert sich der Verein ehrenamtlich bereits um diese und die Strecke zwischen Barntrup und Bösingfeld – und kämpft für eine Reaktivierung der Begatalbahn. „Das ist ein wichtiges Ziel. Das Potenzial der Strecke ist da. Deshalb steht unser Angebot: Herr Oehlmann, gehen Sie voran, wir folgen Ihnen. Packen wir es gemeinsam an“, sagte Brunsiek.

Wichtige Entscheidung im Herbst

Um die Begatalbahn wieder aufleben zu lassen, muss in einem ersten Schritt eine sogenannte „Standardisierte Bewertung von Verkehrswegeinvestitionen des ÖPNV“ vorgenommen werden. Dabei wird unter anderem die gesamtwirtschaftliche Rentabilität bewertet. Je nachdem, wie diese ausfällt, besteht anschließend die Möglichkeit, Fördergelder des Landes für die Begatalbahn zu bekommen. Solch eine „Standardtisierte Bewertung“ war bereits zweimal vorgenommen worden, zuletzt 2010. Doch danach waren sämtliche Bemühungen aus verschiedensten Gründen wieder im Sand verlaufen. Auch, weil es nicht nur Befürworter des Projekts gegeben hatte. Doch das scheint sich mittlerweile deutlich gewandelt zu haben.

Eine neue „Standartisierte Bewertung“, die auch die neuesten Gegebenheiten berücksichtigen würde, würde vom Verkehrsverbund OWL (VVOWL) finanziert werden. „Wir werden im dritten oder vierten Quartal eine Entscheidung treffen, für welche Bahnstrecke in unserem Verbandsgebiet, die Reaktiviert werden könnte, eine Standartisierte Bewertung in Auftrag gegeben werden soll“, erklärte Stefan Honerkamp, Geschäftsführer des VVOWL: „Und ich bin sehr optimistisch, dass die Begatalbahn mit dabei sein wird.“ Durchgeführt würde diese Bewertung vom Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL), der beim Vernetzungstreffen Anja Stocksieker vertreten wurde.

Keine negativen Auswirkungen auf den Busverkehr

Dass der Busverkehr unter der Reaktivierung der Zugstrecke leiden könne, dieser Befürchtung erteilten Stefan Honerkamp, Sven Oehlmann, aber auch Achim Oberwöhrmeier, Geschäftsführer der Kreisverkehrsgesellschaft Lippe, eine klare Absage: „Mobilität hat sich in den vergangenen Jahren deutlich weiter entwickelt. Verkehrssysteme wie Bus und Bahn müssen heute zusammen gedacht werden“, erklärte Oberwöhrmeier.

Best-Practice-Beispiel der Bentheimer Eisenbahn

Wie so eine Reaktivierung erfolgreich aufs Gleis gesetzt werden kann, darüber hatte eingangs Ralf Uekermann von der Bentheimer Eisenbahn geschildert. Die hatte die Strecke zwischen Neuenhaus und Bad Bentheim 2019 wiederbelebt – mit einer seither sehr positiven Entwicklung. „Die prognostizierten Fahrgastzahlen auf der Schiene wurde bereits übertroffen. Darüber hinaus gibt es weitere Fahrgastzuwächse im Busverkehr", lautet Uekermanns Fazit. „Sehr wichtig für eine Reaktivierung ist, dass die Initiative aus der Region kommt“, verdeutlichte Uekermann.

Weiteres Treffen wird initiiert

Diese Initiative und eine Bereitschaft scheint nun vorhanden zu sein. „Auf dieser Basis wollen wir weitermachen“, sagte der Landtagsabgeordnete Jürgen Berghahn. Daher kündigte er bald ein weiteres Treffen der „Allianz Begatalbahn“ an. Zu dem sollen auch Vertreter anderer Parteien eingeladen werden, die kürzlich ihre Forderung nach einer Begatalbahn bekräftigt hatten. „Die Medienberichte der vergangenen Tage zeigen, dass der Wunsch nach einer Begatalbahn immer lauter wird. Immer mehr Parteien bekräftigen ihren Wunsch danach. Das hat mich bei manchen überrascht, aber es freut mich, denn für die Sache ist es nur gut. Das Potential für einen erfolgreichen Betrieb der Strecke, ist mit mehr als 30.000 Berufspendlern da. “, sagte der Landtagsabgeordnete Berghahn.

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