Was kommt nach dem Applaus?

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Blomberg/Lemgo. Der Frage „Was kommt nach dem Applaus?“ nachgehend, besuchten Jürgen Berghahn, Landtagsabgeordneter aus Blomberg, und Thomas Kutschaty, Fraktionsvorsitzender der NRW SPD, im Rahmen der Sommertour 2020 die Diakonie Blomberg und Eben-Ezer in Lemgo, um sich über die Herausforderungen des Pflegepersonals während der Corona-Krise zu informieren.

Während alle über Krankenhäuser und Altenheime berichteten, kamen die ambulante Pflege und die Behindertenhilfe in der Corona-Krise kaum zur Sprache, waren sich Anke Günther, Leiterin der Diakonie Blomberg und Dr. Bartolt Haase, Theologischer Vorstand der Stiftung Eben-Ezer, einig und freuten sich über die Gelegenheit, im persönlichen Gespräch über ihre Erfahrungen in den letzten Monaten zu berichten.

Akuter Personalmangel in der ambulanten Pflege

„Wenn bei uns jemand krank wird, haben wir direkt ein großes Problem. Denn im Gegensatz zum stationären Dienst können die Kollegen die Arbeit nicht einfach mitmachen, da unsere Patienten ja alle bei sich zuhause sind“, erklärt Anke Günther. Die Touren absagen und die Menschen alleine lassen, gehe natürlich auch nicht und so fallen bei ihr und ihrem Team regelmäßig freie Wochenenden oder auch der Urlaub aus. Corona und Quarantänemaßnahmen dünnen die Personaldecke nun noch mehr aus.
„Was wir uns vor allem wünschen, ist generell mehr Wertschätzung für unseren Beruf“, so Anke Günther. Über den Corona-Bonus hätten sich die Kolleginnen und Kollegen zwar gefreut, was aber wirklich helfen würde, wäre mehr Personal. Je attraktiver die Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten gestaltet sind, desto mehr Arbeitskräfte kommen und bleiben dann auch in der Pflege. Besonders kritisch ist, dass für das aktuelle Ausbildungsjahr zum ersten Mal überhaupt kein einziger der 25 Ausbildungsplätze des Elisenstifts, zu dem die Diakonie Blomberg gehört, besetzt werden konnte.

Stichprobenartige Tests gewünscht

5.000 Menschen leben und arbeiten in den verschiedenen Einrichtungen von Eben-Ezer. Dass sich von diesen bislang niemand mit dem Virus angesteckt hat, liegt in großem Maße an dem Engagement und der Kreativität aller Mitarbeitenden, wie das Team um Dr. Bartolt Haase den sichtlich beeindruckten Abgeordneten erzählt.

Abläufe und Wohneinheiten wurden umstrukturiert, Masken genäht, Visiere und sogar Sicherheitsschleusen selber hergestellt und nicht zuletzt auch auf eigene Faust im Haus auf das Virus getestet. Und das war auch notwendig, denn „man hat gemerkt, dass wir bei den Behörden, anders als andere Pflegeeinrichtungen, nicht auf dem Plan standen“, stellte Thorsten Löll als leitender Arzt fest. Ein großer Wunsch von Eben-Ezer ist es daher, auch weiterhin eigene stichprobenartige Tests auch ohne Symptome in den Gruppen regelmäßig durchführen zu dürfen. Ein Vorhaben, das Jürgen Berghahn sehr begrüßt und auch in den Gesprächen mit den Gesundheitsbehörden unterstützt.

„Nach dem Applaus in der akuten Krisenzeit muss es jetzt darum gehen, die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung des Pflegepersonals dauerhaft zu verbessern, dies ist ein zentrales Thema für die SPD im Landtag“, so Thomas Kutschaty und Jürgen Berghahn.

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